Mit Kräutern räuchern November 2000
 

a) Geschichte des Räucherns
Die Geschichte des Räucherns ist so alt wie Menschheit selbst.
Die Fähigkeit, ein Feuer zu entzünden, ist ca. 40 000 Jahre alt und seit dieser Zeit genossen es die Menschen, darum zu sitzen und die wohltuende Wärme zu genießen.
Damit einhergehend, stiegen mit dem Feuer, in dem ja verschiedene Sorten Holz verbrannt wurden, auch wohltuende Dämpfe auf. Dies war der Beginn des Räucherns.
 
Die verschiedenen Gerüche, die das Feuer verströmte, versetzte die Menschen in unterschiedliche Stimmungen.  Als man zudem die unterschiedlichen Heilwirkungen der Pflanzen und Bäume kennenlernte, wurde das Räuchern zunehmend zu einem Ritual.  Man setzte es gegen Krankheiten, diverse Geister und bei bestimmten Stimmungen ein.  Die Menschen damals besaßen ein weitaus innigeres Verhältnis zur Natur und konnten so die Gerüche bedeutend intensiver wahrnehmen.
 
Auf diese Art entstanden die unterschiedlichsten Räucherzeremonien bei den verschiedensten Bevölkerungsgruppen.
Im alten Ägypten, Griechenland und Rom betrieb man regen Handel mit Räucherkräutern und konnte dadurch zu großem Wohlstand gelangen.
Auf der bekannten Weihrauchstraße wurden z.B. Myrrhe und Weihrauch zwischen Afrika, Arabien und Europa transportiert.
 
Die Kunst des Räucherns begleitete die Menschen auf allen wichtigen Stationen ihres Lebens: zur Vorbereitung von Hochzeiten, zum Reinigen, zur Bestattung,
Heilung von Krankheiten und zur Huldigung der Götter. Im Rauch wurden auch Orakel befragt. Es hieß, daß die Seele der Pflanzen mit dem Rauch aufsteigt.
 
Noch heute wird in vielen Teilen der Welt zeremoniell geräuchert - so auch in Indien,  Tibet und bei indianischen Stämmen. Letztere nehmen über Räucherzeremonien sogar Kontakt zu ihren Vorfahren auf und suchen darin den Sinn des Lebens.

b) Räuchern heute

Im Laufe der letzten Jahrhunderte haben die Menschen mehr und mehr den Kontakt zu der Natur verloren und der Fortschrittsglaube entfremdet die Menschen mehr und mehr von ihren Wurzeln.
So ist es nicht verwunderlich, daß die Kunst des Räucherns auch bei uns in Vergessenheit geraten ist.
 
Die Zeremonie des Räuchern erfordert Ruhe und Entspannung - eine nicht besonders gut angesehene Eigenschaft in unserer schnellebigen Zeit.  Zeit zu besitzen, nicht "im Streß" zu sein, ist vielen Menschen sogar unangenehm.
 
Räucherdüfte wirken auf den gesamten Menschen - den Körper, die Seele und das Unterbewußtsein.
Der Rauch, der bei dem Verbrennen von Kräutern entsteht, läßt den Menschen von der Hektik des Alltags abschalten und hilft ihm, sich auf sich selbst zu besinnen.  Es gibt den Gedanken, daß der aufsteigende Rauch alle Probleme und Sorgen mit ihm aufsteigen läßt und uns so hilft, mit vielen Dingen "fertig" zu werden.
 
Die wissenschaftliche Erklärung für diesen Vorgang liegt darin, daß beim Verbrennen der Pflanze Duftmoleküle freigesetzt werden, die über den Atem in den Körper gelangen.  Die Riechzellen in der Nase werden dabei stimuliert und geben so ihre Botschaft an das Gehirn weiter.  Diese werden dann an die entsprechenden Bereiche im Hormonhaushalt und dem Nervensystem weitergeleitet.  In logischer Konsequenz entstehen daraus entsprechende Gefühle und Stimmungen.

c) Räuchern - aber wie?

Die bekannteste Methode des Räucherns ist das Verbrennen von Räucherstäbchen.
Dies soll aber hier außer acht gelassen werden, da wir uns auf das aktive, konzentrierte Verbrennen von Kräutern konzentrieren wollen.
Dazu benötigt man folgende Utensilien:
 
Eine Schale oder Untertasse, ein wenig Sand, Räucherkohle (erhältlich z.B. bei "Spinnrad" u.ä. Geschäften), eine kleine Zange, 1 Teelicht, 1 Feder und getrocknete oder frische Kräuter.
 
Die Praxis sieht folgendermaßen aus:
Man schüttet ein wenig Sand auf die Schale, so daß der Boden bedeckt ist.  An den Rand der Schale stellt man das Teelicht und entzündet es.  Nun wird die Räucherkohle mit der Zange aufgenommen und über dem Teelicht zum Glühen gebracht.  Man legt sie in der Mitte des Sandes ab und fächelt mit der Feder Luft zu, daß die Kohle durch und durch glüht.  Nun legt man die getrockneten oder frischen Kräuter in die Mulde der Räucherkohle und verteilt mit der Feder den aufsteigenden Rauch.
Man sollte sich für diesen Prozeß sehr viel Ruhe und Zeit nehmen.

d) Räucherkräuter und ihre Wirkung

Es eignen sich grundsätzlich alle Kräuter zum Räuchern. Sie lassen sich sowohl frisch als auch in getrocknetem Zustand verwenden.
Der Duft von frischen Kräutern ist oftmals intensiver, dafür flüchtiger.
 
Hier eine kleine Auswahl:
 
1) Beifuß (Artemisia vulgaris)
 
Bei dem Räuchern mit Beifuß setzt eine Reinigung des Körpers und des Geistes ein.  Es bietet sich an in Situationen, in denen man sich von alten Problemen lösen und neu anfangen will.  Auch in Momenten, in denen man eine wichtige Entscheidung fällen will und noch unsicher ist, welche die richtige ist, hilft Beifuß, zu seinem Unterbewußtsein vorzudringen und sich darüber klar zu werden, was man eigentlich möchte.  Mit Beifuß lassen sich Schutzräucherungen durchführen.  Erstaunlicherweise wirkt der Rauch auch sexuell stimulierend und kann auch zu Traumräucherungen verwendet werden.
 
2) Kamille (Chamomilla recutita)
 
Ebenso wie Kamille in ihrer bekannten Wirkung auf vielseitige Art den Menschen heilt, wirken auch die verräucherten Kamillenblüten auf ungemein positive Weise:
Sie lassen sich einsetzen bei Ärger und Problemen, Trauer und Wut.
Der Rauch der Kamille wirkt besänftigend und ausgleichend.
 
3) Melisse (Melissa officinalis)
 
Die gute Melisse, welche uns als Tee beruhigt und neue Kräfte schenkt, stärkt als Räucherkraut unsere Abwehrkräfte gegen vielerlei negative Einflüsse und gibt uns neuen Mut.  Sie erfrischt den Geist.  Auch bei Erfolglosigkeit (in welcher Hinsicht auch immer) ist sie eine gute Freundin.
 
4) Pfefferminze (Mentha x piperita)
 
Die erfrischende Minze eignet sich besonders gut in frischem Zustand für Räucherungen.  Ihr Duft ist deutlich intensiver. Daher bietet sie sich auch dazu an, mit ihrer Hilfe den Geist zu klären.
Sie eignet sich für Chakrenräucherungen.  Sie beruhigt und wirkt dabei auf unser Nervensystem.  Hat man das Gefühl, die eigene Wohnung atmosphärisch "reinigen" zu müssen, bietet sich ebenfalls Minze an.
 
5) Lorbeer (Lauris nobilis)
 
Der stolze Lorbeer klärt den Geist des Menschen.  So wie der Lorbeerkranz besonders erfolgreichen Menschen aufgesetzt wurde, hilft er uns, unsere Konzentration zu fördern, um unser Leistungspotential voll auszuschöpfen.
Wie auch die Pfefferminze eignet er sich für Reinigungsräucherungen.
In der Antike wurde Lorbeerrauch dazu benutzt, sogenannte Geistererscheinungen festzuhalten und sich dadurch dienlich zu machen...
(Die Redaktion übernimmt hierfür keine Haftung).
 
 
Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Neben Kräutern eignen sich vor allem Harze und auch Gewürze, wie z.B. Nelken für Räucherungen.
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