3) Löwenzahn Mai 2000
 
Löwenzahn
a) Was blüht denn da?
Löwenzahn (Taraxacum officinale sativum) hat viele volkstümliche Namen - oft wird er auch Pusteblume, Kuhblume, Sonnenwirbel oder auch Hundeblume genannt.
Er dürfte eigentlich jedem bekannt sein, hat denn fast jeder geplagte Gärtner ihn sicherlich mindestens einmal im Garten stehen und so seine Mühe damit, ihn fernzuhalten. Man findet Löwenzahn praktisch überall und angesichts seiner vorzüglichen Heileigenschaften sollte man ihn eigentlich lieber gleich verspeisen, statt ihm argwöhnisch gegenüberzustehen!
Der "gemeine" Löwenzahn ist ein ausdauerndes Kraut mit langer Pfahlwurzel und führt in allen Teilen weißen Milchsaft. Seine großen, sonnengelben Blüten blühen vom späten Frühjahr bis zum frühen Herbst auf bis zu 45 cm hohen Stengeln. aus der Blüte entwickeln sich später kugelförmige Samenstände, deren Samen durch den Wind verbreitet werden. Einen sehr vitalstoffreichen Löwenzahn erkennt man daran, daß seine Blätter tief gezähnt sind. Man sammelt die Blätter kurz vor der Blüte sowie die Wurzeln und die Blüten.
 
b) Das ausgewählte Rezept
Vital & Fit Salat
1 Schüssel frische, junge Löwenzahnblätter - einige Eßl. Olivenöl . Saft 1 Zitrone . 1 Tl. Zucker - Salz, Pfeffer .
2 Tassen Champignons . 1 Tasse Walnußkerne. 2 Knoblauchzehen, durchgepreßt . 3 hartgekochte Eier . Löwenzahnblüten zur Deko
 
Löwenzahnblätter waschen, in feine Streifen schneiden. Öl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer zu einer Sauce verquirlen. Champignons waschen, in feine Scheiben schneiden und zur Sauce geben. Walnußkerne grob zerkleinern und zusammen mit dem Knoblauch in einer Pfanne kurz rösten. Zusammen mit den Löwenzahnblättern zur Sauce geben und kurz alles durchmischen.
Den Salat mit den in Scheiben geschnittenen Eiern und Löwenzahnblüten garnieren.
 
c) Tipps für kids
Nach der Blüte bildet Löwenzahn wunderschöne kleine "Pusteballons". Es macht großen Spaß, sie wegzupusten!
Wessen Löwenzahnballons fliegen wohl am weitesten?
 
d) Alternative Hausapotheke
Der Löwenzahn, diese eher unscheinbare, weil uns so gewohnte Wiesenblume, enthält mehr, als wir ahnen: Vitamine (besonders Vitamin C), Mineralstoffe und Spurenelemente. Er regt den Stoffwechsel an und eignet sich daher bestens für eine Blutreinigungskur im Frühjahr. er wirkt stärkend auf den gesamten Organismus und ist daher auch gut für unser Immunsystem.
Aus den Blüten läßt sich ein wohlschmeckender Blütenhonig herstellen (Blüten ca. 3 Wochen in Honig ziehen lassen, dann herausfiltern), der wunderbar mit Kräutertees harmonisiert.
Die getrockneteten Blätter als Tee wirken harntreibend und gut gegen Hämorrhiden.
Schneidet man die Blütenstengel längs auf, lindert der Saft Verbrennungen und Insektenstiche!
Früher röstete man die Wurzeln und erhielt dadurch einen magenschonenden Kaffee-Ersatz.
Die Blätter reich an Eisen und ergeben einen guten Spinat.
Vorsicht: Der milchige Saft in den Stengeln ist leicht giftig - nur äußerlich anwenden.
 
e) Konservierungsmethoden
Die Blätter lassen sich im Schatten gut trocknen und eignen sich dann gut zur Herstellung eines schmackhaften Tees.
Zur Herstellung eines Löwenzahnextraktes wird 1 Teil zerschnittenes Löwenzahnkraut mit 5 Teilen Wasser ziehen gelassen (an einem warmen Ort) , dann durch ein Mulltuch abgeseiht. dieser Rückstand wird nochmals mit 5 Teilen Wasser 12 Stunden stehen gelassen, abgepreßt. Diese beiden Flüssigkeiten werden gemischt und auf dem Herd bei schwacher Hitze auf die Hälfte eingedampft.
Eine weitere Methode ist die Entfaltung im Dampfentsafter.
Sowohl der Extrakt als auch der Saft müssen kochendheiß in Flaschen gefüllt und kalt gelagert werden.
 
f) Kräuter im Garten
Die einfachste Methode ist sicherlich das Ausgraben der Pflanze in freier Natur mitsamt der Wurzel (insofern man nicht ohnehin im eigenen Garten einen beachtlichen Vorrat hat...).
Will man ein regelrechtes Löwenzahnbeet anlegen, so sät man im Frühjahr in guten, lockeren, am besten kieshaltigen Boden in Reihen aus, Die zu dicht stehenden Pflanzen werden pikiert, so daß auf je 10 cm Abstand eine stehen bleibt.
Die Blüten müssen komplett gepflückt werden, damit sie nicht reifen und durch die schnelle Selbstversamung überhand nehmen.
Der Löwenzahn wächst überall, wo jemals einer seiner Fallschirmfliegersamen hingeflogen ist!
 
g) Orakel und Magie
Bei den alten Germanen hieß es, der Löwenzahn sei der Liebesgöttin Freya heilig gewesen.
Danach tauchte er erst wieder im 16. Jahrhundert in der Botanik auf. Im Mainzer "Gart der Gesundheit" kann man lesen, daß der Löwenzahn "alles Fehl aus den Augen nimmt", Geschwüre aufbricht und heilt. Löwenzahn ist interessanterweise das Kraut mit den meisten Namen - es werden fünf- bis sechshundert geschätzt.
Goethe betrachtet in der "Spiraltendenz" den aufgeschlitzten Stengel als einen weg, dem "tiefen Naturgeheimnis näher zu treten".
Löwenzahnsamen und die Fruchtstände, die Pusteblumen, wurden in allen Zeiten als Liebesorakel befragt. Oder nach der Seligkeit:
Ist der Fruchtboden nach dem Auspusten weiß, kommt man in den Himmel, ist er schwarz, ins Fegefeuer. Hängen Samen in den Kleidern, sind das Sünden...
 
h) Liköre, Heilschnäpse und Weine
Löwenzahnschnaps
ca. 30 Löwenzahnblüten . 1 L. Wodka . 1 Vanillestange . 250 gr. weißer Kandis
 
Löwenzahnblüten waschen und abtropfen lassen. Sie werden mit dem Wodka, dem Kandis und der aufgeschlitzten Vanilleschote in der einer weitbauchigen Flasche angesetzt. Diesen Ansatz läßt man einige Wochen in der Sonne gut verschlossen stehen. Dann seiht man ab und füllt ihn in kleinere Fläschchen.
Dieser Schnaps ist eine ideale Ergänzung für die entschlackungs-Frühjahrskur, enthält er doch ungezählte Wirkstoffe und ist etwas vom gesündesten, was die Natur uns bietet! Eines kleines Gläschens dieses Heiltranks im Frühjahr regelmäßig genossen, und sie fühlen sich wie neugeboren!
 

Das Kräuterparadies Copyright © 2000 Susanne Kinne