4) Beinwell Juni 2000
 
Beinwell
a) Was blüht denn da?
Beinwell (Symphytum officinale) ist auch unter den Namen Comfrey, Schwarzwurz, Gemeine Wallwurz und Beinwurz bekannt.
 
Beinwell gehört zur Familie der Rauhblattgewächse und ist ein kräftiges, ausdauerndes Kraut mit dickem, braunem, fleischigem Wurzelstock. Die Blätter sind aufrecht, sehr rauhhaarig und in der Form elliptisch-lanzettlich.
Der bis zu 1 m hohe Stengel ist rauh behaart und trägt im Sommer purpurne, rosafarbene oder weiße, glockenförmige Blüten. Die Blütenstände sind eingerollt, nickend und traubenartig.
 
Man findet Beinwell an Bachufern, Wassergräben und anderen feuchten Plätzen wild wachsend.
Als Gartenpflanze ist sie bei uns inzwischen heimisch geworden.
 
b) Das ausgewählte Rezept
Beinwell-Wundwasser
Dies ist ein sehr nützliches Heilwasser zur Behandlung kleiner Wunden und Schrammen. Es sollte bei der Anwendung Raumtemperatur haben, weil Wärme sine lindernde Wirkung verstärt. Es ist auch sehr gut zu empfehlen bei Sonnenbrand.
 
Man benötigt:
 
2 Tl frische Beinwellblätter oder 1 Tl getrockneter Beinwell
300 ml kochendes Wasser
 
Die Beinwellblätter werden klein zerpflückt und dann mit dem kochendem Wasser in einer Schale überbrüht. 10 Min. ziehen lassen, durch ein Sieb abgießen und auf Raumtemperatur abkühlen lassen.
Ein Stück Mull mit dem Wundwasser tränken und damit die Wunde betupfen.
 
Es sei noch anmerkend erwähnt, daß an dieser Stelle kein Kochrezept aufgeführt werden kann, da Beinwell nicht innerlich angewendet werden soll.
 
c) Tipps für kids
Alle Kinder, die gerne toben und spielen, fallen dabei auch mal hin und ziehen sich dabei vielerlei kleine Verletzungen wie z. B. Schürfwunden zu.
Hier stellt Beinwell ein vorzügliches Erste-Hilfe-Mittel dar, da er schmerz- und blutstillend wirkt.
 
Man gibt dazu ein wenig von dem unter b) aufgeführtem Beinwell-Wundwasser auf einen Wattebausch und betupft damit die kleine Wunde.
 
d) Alternative Hausapotheke
Die Blätter des Beinwell werden bereits von den alten Germanen bei Wunden, Stauchungen und anderen äußeren Verletzungen mit Erfolg angewendet - der Name sagt es ja bereits: "Bein"-"well".
 
Der Aufguß ist das Mittel der Wahl, wobei zu beachten ist, daß man vorrangig die jüngeren Blätter und Triebe verwendet.
 
Bei Ekzemen und anderen Hautirritationen ist Beinwell ebenfalls sehr zu empfehlen.
Seine außerordentlich guten Heileigenschaften werden dem Inhaltsstoff Allantoin zugeschrieben. Er befindet sich sowohl in den Blättern als auch in der Wurzel - daher sind auch alle Bestandteile der Pflanze zu verwenden.
Allantoin fördert die Zellneubildung und damit die Regeneration von Gewebe.
Der weitere Inhaltsstoff Cholin reduziert den Austritt von Gewebsflüssigkeit , erweitert die Arteriolen und führt damit zu einer Verbesserung der Durchblutung. An der wundheilenden Wirkung sind vermutlich auch der Schleim und die Gerbstoffe beteiligt.
 
Beinwell ist auch in der Homöopathie gebräuchlich.
 
Zur Zeit steht Beinwell im Kreuzfeuer wissenschaftlicher Auseinandersetzungen, da es in geringen Mengen Pyrrolizidin-Alkaloide enthält. Zur Sicherheit ist daher im Moment von einer innerlichen Anwendung abzuraten.
 
e) Konservierungsmethoden
Beinwell läßt sich sehr gut im Schatten trocknen - man legt dazu die jungen Blätter auf ein mit Küchenkrepp ausgelegtes Tablett und läßt sie an einem windstillen, schattigen Ort langsam trocknen.
Man kann nun die Blätter in einem Mörser oder in der Küchenmaschine zu Pulver zermahlen und hat auf diese Weise stets ein Wundheilmittel parat.
 
Die Wurzel kann ebenfalls verwendet werden. Man gräbt sie im Frühjahr oder September bis Oktober aus und trocknet sie im Ofen bei 40-60 Grad. Sie kann dann zu Pulver zermahlen werden, das in Wasser (3 Eßl auf einen halben Liter Wasser) verrührt einen heilkräftigen Umschlag ergibt.
 
Auch eine Salbe läßt sich herstellen, indem man 2 Teile Beinwell und 1 Teil Gänsefingerkraut in Schmalz erhitzt.
Die Kräuter werden dann wieder abgeseiht. Diese Salbe hat sich bei Gelenk- und Muskelschmerzen bewährt.
 
Auch eine Tinktur läßt sich herstellen, indem man den frischen oder getrockneten Beinwell in hochprozentigem Alkohol 2-3 Wochen einlegt, wieder entfernt und die so gewonnene Tinktur zum Einreiben verwendet.
 
Auch ein reiner Pflanzensaft ist möglich: Man gewinnt ihn, indem man die frischen Blätter im Dampfentsafter entsaftet und noch heiß in Flaschen füllt.
 
f) Kräuter im Garten
Beinwell wächst in feuchtem Boden an einem sonnigem oder schattigem Standort .
 
Die Vermehrung erfolgt im Frühjahr durch Aussaat oder im Herbst durch Wurzelteilung.
Man sollte möglichst einmal im Jahr mit Gründünger mulchen.
 
Nach 3-4 Jahren sollte man die Pflanze ausgraben, teilen und neu pflanzen.
 
Die älteren Blätter eignen sich hervorragend zum Kompostieren, zur Herstellung von Flüssigdünger für den Kräutergarten oder zum Mulchen.
 
Beinwell kann bis zu 30 Jahre alt werden.
 
g) Orakel und Magie
Selbst die Äbtissin Hildegard von Bingen empfahl Beinwell als eines der wertvollsten Heilkräuter der Volksmedizin.
Sie pries sogar einen Kuchen aus Mehl, Beinwellblättern und Honig als Heilmittel an. Sie nannte Beinwell "Consolida" vom lateinischen "consolidare"=befestigen. Dieser Begriff hat sich im Apothekerlatein bis heute erhalten.
 
In einem alten Kräuterbuch heißt es:
 
"Nach der himmlischen Einfliessung mans Wallwurtz / und ihrer heilsamen wallenden Kraft willen. So wirts auch genannt Bennwallen / daß sie die Bennbruch heilet zusammenwallet.
Auch so nennt mans Schanzwurz."
 

Das Kräuterparadies Copyright © 2000 Susanne Kinne