1) Fenchel Januar
 
Fenchel
a) Was blüht denn da?
Fenchel (Foeniculum vulgare) gehört zur Familie der Doldenblütler und wird im Volksmund oft auch Brotsamen, Fenis, Fenkel, Finchel, Frauenfenchel oder auch Fenicht genannt. Er stammt aus Westasien und dem Mittelmeergebiet.
 
Es handelt sich um ein gräulichgrüne, stark würzig riechende Staude mit schlanken, bis zu 1,80 m hohen Stengeln.
Die dunkelgrünen Blätter sind weich mit fadenförmigen Fiederblättchen und fleischigen Blattscheiden an der Stengelbasis.
 
Fenchel breitet sich durch seinen kriechenden Wurzelstock büschelweise aus. Im Sommer erscheinen kleine, senffarbene Blüten, denen eiförmige Früchtchen folgen. Diese sind 5-10 mm lang und zerfallen meist in 2 Teilfrüchte mit je 5 deutlichen, aber ungeflügelten Rippen.
Der Geschmack ist süßlich und etwas scharf. Sehr kampferähnlich.
 
Die Hauptinhaltsstoffe des Fenchels sind ätherisches Öl mit Anethol und Fenchon sowie fettes Öl und Zucker.
 
Verwendet werden sowohl die getrockneten, reifen Früchte, das ätherische Öl sowie das gesamte Kraut.
 
Man findet Fenchel wild vorkommend auf Schutt und Feuchtböden. Hauptsächlich ist er im gesamten Mittelmeergebiet heimisch, wird aber inzwischen weltweit in verschiedenen Sorten kultiviert.
Da es sich sehr stark selbst ausbreitet, kann es zu einer stark wuchernden Plage werden wie in Australien und Neuseeland.
In wärmeren Gegenden locken die Blätter den Schwalbenschwanz an.
 

 
Der Beauty-Tipp
Fenchelreinigungsmilch
Man benötigt:
 
1 El Fenchelsaat . 250 ml kochendes Wasser . 1 Tl Honig . 1 El Buttermilch
 
Die Fenchelsaat entweder im Mörser oder mit einem Fleischklopfer vorsichtig zerstoßen, mit dem kochendem Wasser überbrühen und ca. 30 Min. ziehen lassen.
Den Sud abseihen, in eine kleine Schüssel gießen und mit dem Honig verrühren. Abkühlen lassen.
Anschließend mit der Buttermilch verrühren und in eine saubere Flasche gießen.
 
Bei kühler Lagerung - möglichst im Kühlschrank - hält sich die Reinigungsmilch ca. 1 Woche.
 
Fenchelreinigungsmilch entfernt den Schmutz des Tages auf der Gesichtshaut äußerst sanft und nachhaltig.
 
c) Tipps für kids

Fencheltee mit Ho
 
Fencheltee ist ein sehr gutes, altes Hausmittel bei Husten, Heiserkeit und Blähungen.
Bei Babys empfiehlt es sich, den Fencheltee nicht zu süßen.
 
Für eine Tasse Fencheltee gibt man 1 Tl zerkleinerte Früchte auf 1 Tasse kochendes Wasser. 10 Min. ziehen lassen.
 
Man kann auch sehr leicht seinen eigenen Fenchelhonig herstellen:
 
Dazu gibt man auf 1 Glas guten Imkerhonig 1 Tl Fenchelöl (man erhält es in der Apotheke) oder verrührt darin 2 El zerstoßene Fenchelsaat und läßt dies 3 Wochen ziehen.
 
Fencheltee als auch Fenchelhonig bieten sich als Hausmittel für Kinder geradezu an, da sie mild als auch äußerst schmackhaft sind - viele Kinder mögen Fenchel!
 
Stillenden Müttern ist Fencheltee ebenfalls zu empfehlen - er regt die Milchbildung an!
 
d) Alternative Hausapotheke
Fenchel wird schon länger als schleimlösender Bestandteil vieler Hustentees und -säfte verwendet. Das ätherische Öl hat auch krampflösende, blähungstreibende und antibakterielle Eigenschaften und soll milchbildend wirken.
 
Die Früchte werden auch häufig als Zusatz zu Abführmitteln und als Tee bei leichten Verdauungsbeschwerden von Säuglingen verwendet.
 
Das ätherische Samenöl wirkt antibakteriell.
 
Äußerlich leistet Fencheltee als Augenwasser gute Dienste.
Dies hatte man bereits in der Antike erkannt, denn Plinius wies darauf hin, daß Schlangen nach der Häutung Fenchel fressen würden, um ihre Sehschärfe zu steigern. Diese Wirkung auf Menschen hat viele Jahrhunderte der bekannte Forscher Walahfried Strabo bestätigt.
 
Hildegard von Bingen empfahl den Fenchel zusammen mit Schafgarbe als Mittel gegen die Schlaflosigkeit (als Umschlag um die Stirn).
Im Mittelalter fand Fenchel auch als Aphrodisiakum Verwendung.
 
Vorsicht: Nicht in großen Mengen über einen längeren Zeitraum einnehmen!
 
e) Konservierungsmethoden
Man verwendet die frischen Triebspitzen sofort oder trocknet sie im Frühsommer an einem schattigen, windstillen Ort.
 
Die Blatt- und Stengelernte ist vor der Blüte mehrmals möglich.
Die Samenstände erntet man kurz vor der Reife im Herbst. Man trocknet sie im Ofen bei niedriger Temperatur, löst anschließend die Samen heraus und kann sie nun verwenden oder auch in einem dunklen, geschlossenen Gefäß gut lagern.
 
Die Wurzeln werden im Herbst ausgegraben, klein geschnitten und langsam entweder im Ofen oder an einem warmen Ort (Heizungskeller) getrocknet.
 
f) Kräuter im Garten
Fenchel ist eine anspruchslose Pflanze.
Man erzielt gute Erträge auf leichtem und feuchtem Boden.
Fenchel liebt einen warmen, sonnigen Standort.
 
Die Vermehrung erfolgt im Frühjahr und Sommer durch Aussaat in Töpfe oder direkt ins Freiland mit 50 cm gepflanzt.
Die Jungpflanzen müssen rechtzeitig umgesetzt werden, da die Pflanze tiefe, kräftige Wurzeln ausbildet.
 
Bei Trockenheit muß Fenchel reichlich gegossen werden.
 
Fenchel sät sich stark selbst aus, daher sollte man die Pflanzen entspitzen.
Nach 3-4 Jahren müssen die Pflanzen verjüngt werden, weil die Pflanze dann zu erschöpft und zu dicht wird.
 
Achtung: Nie neben Dill anbauen, da eine Fremdbestäubung und die Erzeugung nutzloser Hybriden möglich ist!
 
g) Orakel und Magie
Vielen Kräutern wurden magische Eigenschaften zugeschrieben. Die Angelsachsen kannten neun heilige Kräuter zum Schutz vor allen möglichen bösen Einflüssen. Man trug Kräuter in der Hand, als Amulette oder hängte sie über Türrahmen, Fenster und Betten - als Zaubermittel gegen Hexerei, böse Geister, Alpträume und Krankheiten. Manche kochte man auf, um schützende Tränke daraus zuzubereiten.
Fenchel war eines dieser neun heiligen angelsächsischen Kräuter und angeblich gut gegen Hexen.
Man hängte ihn am Vorabend der Sommersonnenwende (23.Juni) als Glücksbringer an Balken auf und die Samen drückte man in die Schlüssellöcher von Häusern, in denen es spukte.
Auf diese Weise sollten böse Mächte fern gehalten werden.
 
In der Sage wird Fenchel mit Adonis verbunden, dem schönen griechischen Jüngling, der von Aphrodite geliebt wurde.
Als er von einem Eber verletzt wurde, befahl die trauernde Aphrodite, bei der Totenfeier Fenchel zu verwenden - vermutlich weil die Pflanze so schnell wächst und dann verwelkt und eingeht und so das Schicksal von Adonis widerspiegelt.
 
Fenchel kommt auch in der Geschichte von Prometheus vor. Als er mit dem Feuer vom Olymp flüchtete, trug er die Glut im hohlen Stiel einer Fenchelpflanze.
 
Die römischen Gladiatoren gaben Fenchel als Stimulans vor den Kämpfen in ihr Essen. Die Sieger wurden mit Fenchelgirlanden geschmückt.
 
      "Er machte Männer stark und unerschrocken,
      Und Gladiatoren wild und ungebrochen,
      Mischten ihn in ihr tägliches Essen;
      Und der, der sich siegreich konnte messen,
      Hat dann den Fenchelkranz besessen."
            (H. Wadsworth Longfellow, Der Becher des Lebens, 19. Jh.)
 
Fenchel war und ist ein Symbol für Erfolg - gute Augen, gute Verdauung, gute Haut - all dies versinnbildlicht dies!
 
h) Liköre, Heilschnäpse & Co.
Green Power (Ohne Alkohol)
Zutaten pro Glas:
 
½ Knollensellerie . 1 große Fenchelknolle . 200 g frischer Spinat
½ Bund Schnittlauch . ½ Zitrone . ½ Tl Olivenöl , Salz, Pfeffer
 
Sellerie unter fließendem Wasser gründlich waschen und in grobe Stücke schneiden. Vom Fenchel ein Stück mit Grün beiseite legen, restlichen Fenchel grob zerkleinern, zusammen mit dem Sellerie im Entsafter entsaften.
 
Spinat waschen, Schnittlauch in Röllchen schneiden. In ein hohes Gefäß geben und pürieren. Den Sellerie-Fenchel-Saft dazu geben und noch einmal kurz pürieren, damit sich die Kräuter besser mit dem Saft vermischen.
 
Die halbe Zitrone auspressen und zur Mischung dazugeben. Alles gut verrühren. Mit Olivenöl, Salz und Pfeffer kräftig abschmecken. In ein Glas füllen.
Nach Belieben mit Fenchel dekorieren.
 
Dieses Getränk ist äußerst reich an Kalium, Eisen, Magnesium und Vitaminen.
Es vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit im Nu!
 

Das Kräuterparadies Copyright © 2001 Susanne Kinne