Kräuter aus dem Klostergarten August 2000
 

1) Heilung und Gesundheit in der klösterlichen Tradition

a) Die Heilmethoden des Mittelalters
Die Mönche in den Klöstern sammelten jahrhundertelang die medizinischen und naturwissenschaftlichen Lehren der Griechen, Römer, Hebräer, Ägypter und Araber. Sie übersetzten ihre Schriften oder hielten mündlich überliefertes Wissen in schriftlicher Form fest. So wurde die medizinische Weisheit des Altertums zum Allgemeingut der klösterlichen Medizin.
 
Zu Beginn des Mittelalters sind Krankheit und Gesundheit noch sehr stark mit Aberglauben verbunden. Erst durch die Mönche brach für die Heilkunde eine neue Zeit an!
Sie wendeten das aus dem Altertum überlieferte Wissen bei den Menschen an und ergänzten es dabei immer wieder durch neue Erfahrungen.
Gegen Ende des Mittelalters kam dann die Signaturenlehre des Paracelsus auf.
 

b) Die Bedeutung der Klöster für die medizinische Versorgung
Die Klöster unterhielten Krankenhäuser, Hospize, Pilgerherbergen und Leprosarien für die Leprakranken. Die ambulante Behandlung in den Klöstern war kostenlos, so daß auch für die Ärmsten die Möglichkeit bestand, medizinische Behandlung zu erhalten. Allerdings mußten die Bauern den zehnten Teil ihrer Naturalien zur Unterhaltung des Klosters abliefern. Je nachdem, ob die Mönche die Krankheiten erfolgreich behandeln konnten oder nicht, stieg und fiel auch das Ansehen der christlichen Kirche. Daher wurde heidnisches Gedankengut und damit verbundenes "Hexenwissen" auf das Schlimmste verfolgt...
 
Vier bedeutende Persönlichkeiten verkörperten das medizinische Wissen des Mittelalters:
 
  1)  Walahfried Strabo (um 809 - 849)
2)  Hildegard von Bingen (1098 - 1179)
3)  Albertus Magnus (1193 - 1280)
4)  Paracelsus (1493 - 1541)

2) Der Klostergarten im Mittelalter

a) Die Gartenkultur der Mönche
Die ersten Klöster auf abendländischem Boden wurden von den Benediktinermönchen in Italien gegründet. Dort lernten sie die hochentwickelte Gartenbaukultur der Römer kennen.
Im achten und neunten Jahrhundert gelangten diese Kenntnisse in die Regionen nördlich der Alpen, wobei die Mönche viele römische Kulturpflanzen mitbrachten. Die Namen vieler Kräuter wie zum Beispiel " Salbei" (lat. salvia) oder die "Raute" (lat. ruta) weisen noch heute darauf hin.
 
Wenn ein Kloster seine Mönche nicht mehr ernähren konnte, mußten viele von ihnen auswandern und ein neues Kloster gründen. Dabei nahmen sie natürlich ausreichend Pflanzen und Saatgut mit, wodurch die Pflanzen immer mehr an Bekanntheit gewannen.
Die Mönche der mittelalterlichen Klöster waren die ersten, die Gärten mit Gemüse, Nutzpflanzen, Gewürz- und Arzneipflanzen, später auch Weinreben und Hopfen zur Produktion von Wein und Bier anlegten.
 

b) "Capitulare des villis"
Während des siebten und achten Jahrhunderts wurde die Einfuhr von Heilkräutern aus dem Mittelmeerraum aufgrund der arabischen Feldzüge stark behindert.
Daher wurde es notwendig, diese Heilpflanzen durch einheimische zu ersetzen. So wurde um 800 von Karl dem Großen die "Capitulare de villis" herausgegeben, eine Verordnung, die u.a. den Anbau folgender Heilpflanzen vorschrieb:
 
Hier eine Auswahl:
Anis, Brunnenkresse, Petersilie, Sellerie, Rainfarn, Mohn, Hauswurz, Senf, Malve, Zwiebel, Dill, Knoblauch, Minze, Liebstöckel, Fenchel, Diptam und Rosmarin. Fast alle Heilkräuter sind auch heute noch gebräuchlich und stärker gefragt denn je!
 

c) Der Klostergarten
Die Mönche in den Klöstern waren Selbstversorger. Das hieß, daß alles zum Leben notwendige in den Klöstern vorhanden sein mußte. Auch damals schon wurde ganz deutlich zwischen einem Nutzgarten (hortus) und einem Kräutergarten (herbularius) unterschieden.
 

d) Die Organisation der Heilkunde in den Klöstern
Die Mönche des Mittelalters betätigten sich als Ärzte und Apotheker. Dementsprechend besaßen sie umfassende Kenntnisse über die Herstellung von Arzneien, Tinkturen, Salben, Kräutertees und Likören.
Jedes Kloster besaß einen Arzneipflanzengarten, den Offizinalgarten. Dieser lag direkt neben dem Krankenraum, dem Ärztehaus und der Klosterapotheke. Ständig wurde eine bestimmter Vorrat an Heilpflanzen gehalten, der aus dem Klostergarten ständig ergänzt wurde.
Die verwendeten Arzneidrogen stammten größtenteils aus dem Pflanzenreich und wurden anfangs nur getrocknet. Der Begriff "Droge" hat sich aus dem mittelhochdeutschem Wort "drög" (trocken) entwickelt. Die Heilkräuter wurden meist in Kombination miteinander angewendet, manchmal bis zu 100 verschiedene Pflanzen!
 
Im Laufe der Jahrhunderte verfeinerten natürlich die Mönche ihre Fertigkeiten, indem sie die Kräuter nicht nur trockneten, sondern auch Kräuterauszüge oder destillierte Liköre herstellten. Der Grundgedanke dabei war, die Heilkraft der Pflanze zu konzentrieren und das Unwirksame von dem Wirksamen zu trennen.
Dieses über Jahrhunderte überlieferte und immer wieder verbesserte Heilwissen der Klöster ist bis heute die Basis unserer Pflanzenheilkunde.
 
 

Das Kräuterparadies Copyright © 2000 Susanne Kinne