1) Kerbel April
 
Kerbel
a) Was blüht denn da?
Kerbel (Anthriscus cerefolium) gehört zur Familie der Doldenblütler und wird im Volksmund oft auch Gartenkerbel, Küchenkraut oder auch Suppenkraut genannt.
 
Es handelt sich um ein einjähriges, manchmal zweijährig gezogenes, bis zu 60 cm hohes Kraut mit dünner Spindelwurzel. Es ist reich verzweigt mit würzig duftenden, wie bei der Petersilie mehrfach gefiederten, blassen Blättern. Im Frühjahr und Sommer erscheinen kleine, weiße Blütendolden, denen große Samenhülsen folgen. Beim Zerreiben der feinen Blättchen tritt ein feiner Anisgeruch zutage.
Kerbel ist manchmal als Kulturflüchtling wild anzutreffen, da er große Ähnlichkeit mit dem Wiesenkerbel besitzt.
Vorsicht: Kerbel sollte aber nicht wild gepflückt werden, da er mit Giftpflanzen wie dem Schierling, der Hundspetersilie und dem Taumelkerbel sehr leicht zu verwechseln ist.
 
Die Herkunft des Kerbel ist Westasien.
 
Die Hauptinhaltsstoffe des Kerbel sind das Flavonglykosid Apiin, Bitterstoff und ätherisches Öl mit Methylchavicol (Estragol).
 
Verwendet wird das frische Kraut sowie die Früchte. Am bekanntesten ist der Kerbel ist beliebtes Küchengewürz. Er gehört zur klassischen Mischung der fines herbes der französischen Küche.
b) Das ausgewählte Rezept
Kerbelsüppchen
Man nehme:
1 Schüssel frischer Kerbel . 2 Zwiebeln . 1 Scheibe Butter . 2 El Mehl
¾ L Gemüsebrühe . 3 El Sahne . 3 Eigelb . 1 "Schluck" Weißwein
frischer Pfeffer, Salz, Zucker
 
Die feingeschnittenen Zwiebeln in der Butter goldgelb andünsten. Denn feingewiegten Kerbel dazugeben und kurz mitdünsten. Etwas Kerbel dabei zurückhalten. Mit 2 El Mehl bestäuben und mit heißer Gemüsebrühe aufgießen.
Gut verrühren und aufkochen. Bei geringer Hitze 20 Min ziehen lassen.
Die Suppe mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Die Eigelbe mit der Sahne und dem Weißwein verquirlen und unter die Suppe rühren.
Mit kleingehacktem frischem Kerbel bestreuen.
 
Dieses Süppchen schmeckt nicht nur vorzüglich - es entgiftet auch nebenbei wunderbar den Körper und ist im Frühjahr eine reine Wohltat!
 
c) Alternative Hausapotheke
Der Garten-Kerbel stammt aus Osteuropa und wurde von den Römern nach Mitteleuropa gebracht. Die Kräuterbücher schätzten ihn "beyde zu der Artzney und Küchen", denn er "machet lustig zu essen". Tabernaemontanus preist ihn als Mittel bei Schwindelgefühlen, Nierensteinen, Appetitlosigkeit, Würmern und dem Biß tollwütiger Hunde und Gelbsucht an. Noch 800 Jahre vor ihm nannte Walahfried Strabo nur seine blutstillenden Eigenschaften und empfahl Kerbelumschläge gegen Leibschmerzen, eine Anwendung, die sogar Hildegard von Bingen noch empfahl. Frauen, die in den Wehen lagen, wurden darin gebadet.
Da Kerbel bereits sehr früh im Jahr geerntet werden kann, war er eine beliebte, würzige Fastenspeise der Mönche
(siehe auch www.DasKraeuterparadies.de, Ausgabe 08).
 
      "Er ist gut für alte Menschen -
      er erfreut und erquickt das Herz
      und gibt ihnen mehr Kraft."
            (John Gerard, Apotheker des 16. Jh.)
 
Kerbel hat harn- und schweißtreibende Eigenschaften. Volkstümlich wird das frische Kraut bzw. der Preßsaft zu entgiftenden und entschlackenden Frühjahrskuren verwendet. Die Früchte verwendet man bei chronischen Ekzemen, Skrofulose und Lungentuberkulose.
 
Kerbeltee als Aufguß wirkt harn- und schweißtreibend sowie stoffwechselanregend.
Das ganze, zerdrückte Kraut eignet sich im Umschlag auch als Wundauflage und bei Gicht- und Milchknoten (siehe auch www.DasKraeuterparadies.de, Ausgabe 01).
Kerbel soll auch frisch zerkaut bei Schluckauf helfen und als Saft schmerzlindernd bei Wunden und Stichen sein.
Als Mittel gegen Falten (spez. um die Augen) stellt er einen Geheimtipp dar: Legen Sie doch einmal ein in Kerbelblätteraufguß getränktes Tuch auf die Augen!
 
d) Konservierungsmethoden
Kerbel wird ausnahmslos frisch verwendet und eignet sich nicht zur Trocknung. Sie können ihn jedoch zur Aufbewahrung einfrieren.
Ferner bietet es sich an, ihn in Öl zu konservieren - dazu schneiden sie ihn in der Küchenmaschine klein und vermischen ihn gründlich mit einem guten Öl und reichlich Salz. Abgefüllt ihn eine kleines Glas und "versiegelt" mit einer guten Portion reinen Öls als Abschluß hält er sich an einem kühlen Ort bis zu 1 Jahr!
 
f) Kräuter im Garten
Die Aussaat sollte im sowohl im Frühjahr, Sommer und Herbst erfolgen, damit man stets frisches Kraut zur Verfügung hat. Man kann flächig als auch in Reihen säen, in voller Sonne oder auch im Halbschatten und stets direkt ins Freiland.
Da er oft zu schnell in Samen schießt, sollte man lieber häufiger in kleinen Mengen aussäen oder das Kraut der Selbstaussaat überlassen.
Für die Winterernte im Haus an einem warmen Standort auf der Fensterbank aussäen.
 
g) Orakel und Magie
Kerbel soll eines der Gewürze für das Öl gewesen sein, mit dem Moses die Gefäße des Tabernakels segnete. Es gehörte zu den magischen Kräutern, die Hexen für die Zubereitung ihrer Trünke und Salben verwendeten. Die botanische Bezeichnung ist vermutlich von den griechischen Wörtern für "Blätter der Freude" abgeleitet.

 
g) Fitness-Drinks
Zutaten pro Glas:
½ kleiner Blumenkohl . 2 Stiele Kerbel . 150 ml Sauerkrautsaft
Salz, schwarzer Pfeffer . ein paar Tropfen Kürbiskernöl
 
Blumenkohl waschen und in Röschen teilen. Kerbel waschen, trockenschütteln.
Einen kleinen Zweig zur Deko beiseite legen. Blumenkohlröschen im Entsafter entsaften. In ein großes Trinkglas geben und mit dem Sauerkrautsaft auffüllen.
Gehackten Kerbel unterrühren. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit dem Kürbiskernöl abschmecken. Mit dem restl. Kerbelzweig garnieren.
 
Dies ist Sauerstoffpower und Entschlackung für Aktive!

 

Das Kräuterparadies Copyright © 2001 Susanne Kinne